Momo

Michael Ende

Hans-Otto-Theater Potsdam 

Premiere: 20.03.2010

 

Bühne: Nicolaus-Johannes Heyse

Kostüme: Grit Walther  

Musik: Gundolf Nandico

mit:

Juliane Götz, Jon-Kaare Koppe, Roland Kuchenbuch, Holger Bülow, Marcus Kaloff, Meike Finck, Philipp Mauritz, Friederike Walke, David Kramer, Akhtarjan Saidi

Presse:

 

Zeitkiller

Zwischen Poesie und seelenlosem Glamour: Umjubelte "Momo"-Premiere am Hans Otto Theater

 

"Als endlich die Zigarren der grauen Herren erlöschen, entbrennt im Saal ein großer Jubel. Keiner aus dem Publikum hätte wohl auf diese zweieinhalb Stunden verzichten und sie auf ein Zeitsparkonto deponieren wollen. Denn Muße muss sein, das führt uns "Momo" in einer wahren Explosion von Theatermagie spannungsreich vor Augen. Es berührt geradezu körperlich, wenn sich über das Land der Sonne die Schatten ausbreiten, sich seelenlose Hochhäuser wie Bajonette aufpflanzen und plötzlich die menschliche Wärme gefriert...."

 

"..."Momo", dieser über 30 Jahre alte Klassiker von Michael Ende, entpuppt sich in der zupackenden Inszenierung von Andreas Rehschuh zwischen märchenhafter Poesie und seelenloser Gigantonomie geradezu bedrückend aktuell...."

 

"...Mit Witz und Temperament, Slapstick und Pantomime, vor allem aber mit unbändiger Spielfreude werfen sich die Schauspieler ins vergnügliche Treiben, in dem auch mal die Fetzen fliegen. Doch Momo weiß zu besänftigen, in dem sie die richtigen Fragen stellt. Und da reicht mitunter ein einziges "Warum?"..."

 

"...Nicolaus-Johannes Heyse findet für dieses flotte Spiel, bei der kein Zuschauer auf die Uhr schaut, immer wieder überraschende Bühnenbilder, die bestens mit den Videoprojektionen korrespondieren. Und Grit Walthers Kostüme stehen dieser Verzauberung in nichts nach. Sie untermalen die volltönende Lebenslust ebenso wie den Lebensverdruss und werden durch die kraftvolle und elegische Musik von Gundolf Nandico klangreich gebettet. Der Zuschauer spürt in jeder Szene die Liebe zum Detail...."

 

"...Meister Hora. Diesen Zeit-Kapitän aus 1001 Nacht gibt Roland Kuchenbuch in liebevoll großväterlicher Wärme, mal heiter gelassen, mal versonnen, dann zutiefst beunruhigt. Seine Gespräche mit Momo, die Juliane Götz so wunderbar schlicht und staunend und mit anrührender kindlicher Offenheit füllt, faszinieren in ihrer philosophischen Tiefe...."

"...Dafür sorgen natürlich vor allem die Darsteller mit ihren vielschichtig gezeichneten Charakteren. Wie Marcus Kaloff als Beppo Straßenkehrer...Auch Gigi, der redegewandte Fremdenführer, gewinnt durch Holger Bülow eine kesse Sympathie...."

 

"...Friederike Walke, Jon-Kaare Koppe und Philipp Mauritz spielen sich mit Bravour und Geschwindigkeit gleich durch mehrere Figuren und sind in dem facettenreich auftrumpfenden Ensemble wie kleine Glitzersteine. So wie die aus Momos Tasche. Denn statt höher, grösser, schöner funkelt manchmal ein kleiner Stein im Verborgenen viel wärmer. Und wird zu Recht umjubelt. Mit ehrlichem, Zeit spendendem Applaus."

 

Heidi Jäger

Potsdamer Neueste Nachrichten

 

Zeit ist Geld? Nicht hier!

Michael Endes "Momo" begeistert im Potsdamer Hans-Otto-Theater

 

"Kurz vor dem Finale entschwindet Meister Hora gen Bühnenhimmel. In einem riesigen Schiff, dessen Segelmast ein leeres Zifferblatt trägt. Engelsgleicher Soprangesang (von Gundolf Nandico komponiert) hebt ihn empor, während auf der Videorückwand die Sterne und Planeten funkeln. Der Triumph des Guten über die böse Macht der "grauen Herren" kündigt sich in der Geschichte an. Es ist auch ein Triumph des Theaters!..."

 

"...Das Team um Regisseur Andreas Rehschuh, das zuletzt schon für die üppige Kinderinszenierung "Drachenreiter" verantwortlich war, kehrt auf die große Bühne des Potsdamer Hans-Otto-Theaters zurück: mit Michael Endes Romanklassiker "Momo"..."

"...Traumhaft versponnene Kostüme steuert Grit Walther bei.... Auch Bühnenbildner Nicolaus-Johannes Heyse dürfte die Theaterwerkstätten auf Hochtouren gebracht haben. ..Elegant wechselt er zwischen den Ruinen des romantisch verfallenen Amphitheaters, in dem Momo lebt, und kühlen Stadtszenarien, die von Momos Gegenspielern, den grauen Herren, im Stile von George Orwells "1984" beherrscht werden..."

 

"...Das Wagnis der Grossproduktion für die ganze Familie - es glückt! Es glückt vor allem, weil sich das Potsdamer Ensemble so frei und spielfreudig wie lange nicht zeigt. Juliane Götz ist mit ihrem wachen, leuchtenden Gesicht eine Idealbesetzung für Momo. Ein neugieriger Augenaufschlag genügt ihr, um Momos ureigenstes Talent strahlend zu verkörpern: das Talent so zuzuhören, dass selbst "ratlosen Leuten plötzlich kluge Gedanken kommen"...."

 

"...Mit leicht sozialromantischem Zug liefert Michael Ende ein großes Plädoyer gegen das moderne Zeitmanagement und für den fantasievollen Müßiggang der Kinder. Es ist natürlich auch ein Lob auf eine Erzählkunst, die sich den Alltagspflichten entzieht. Wer Bücher wie "Sophies Welt" schätzt, findet viel Ergreifendes in den kleinen philosophischen Gesprächen über Zeiterfahrung zwischen Momo und Meister Hora (wunderbar warmherzig auch als Erzähler: Roland Kuchenbuch)..."

 

"...Rehschuhs stets diskrete Regie hat zudem ein Gespür für komische Momente, ...In manch Skurrilem wird das Anrührende entdeckt: So ist Holger Bülows Gigi unter dem Einfluss der grauen Herren zu einem gefeierten Geschichtenerzähler geworden. Doch trotz Glamourposen à la Elvis Presley kündet sein trostloser Blick vom tatsächlichen Elend eines Ruhmes, der durch dauernde Rastlosigkeit erkauft wurde...."

"..."Was die Menschen mit der Zeit machen, das bestimmen sie selbst", sagt Meister Hora. Die gut zwei Stunden im Hans-Otto-Theater (inklusive Pause) sind allemal wertvoll zugebrachte Zeit. Es ist ein bezauberndes Theaterereignis, das über die Grenzen Potsdams hinaus strahlt."

 

Christian Rakow

Märkische Allgemeine Zeitung

 

Im Kampf gegen die Zeitdiebe

Andreas Rehschuh bringt Michael Endes Roman "Momo" in Potsdam auf die Bühne des Hans Otto Theaters

 

"...Wie viele andere Schriftsteller lehnte Michael Ende die Einteilung der Literatur in Kinder- und Erwachsenenbücher ab. Und so lohnt sich auch für Menschen deutlich über acht Jahren der Besuch von Andreas Rehschuhs Inszenierung von "Momo" am Hans Otto Theater...."

 

"...Wieder einmal hat Intendant Tobias Wellemeyer das Neue Theater für eine Produktion geöffnet, in der achtjährige genauso auf ihre Unterhaltungs- und Nachdenkenskosten kommen wie Menschen mit zweistelliger Jahreszahl. Bühnenbildner Nicolaus-Johannes Heyse nutzt den großen Raum für sonnige italienische Provinz, hektische Betriebskantinen-Atmosphäre und die weite Welt der Sterne. Und in den Weiten dieser Räume, umrahmt von sparsam folkloristischen Klängen von Gundolf Nandico, verliert sich auch keiner der Darsteller. Die 22-jährige Juliane Götz gibt das Mädchen Momo, das die Welt der Erwachsenen zum Schluss vor den grauen Zeitdieben rettet...."

 

"...In Roland Kuchenbuch als Meister Hora hat sie den passenden Gegenpart, zu dem die Geduld des Zuhörens ebenso passt wie das geheimnisvolle, spannende Erzählen...."

 

"...Philipp Mauritz in der Rolle jenes Nino ist auch eines der Scharniere der Inszenierung zwischen der fast zu idyllischen Märchenwelt des verlassenen Amphitheaters und der Wirklichkeit der Kinder im Publikum...."

 

"...Dabei malt Regisseur Rehschuh die Ursachen für die Hektik der Älteren nicht eindimensional. Meike Finck erweckt Mitleid, wenn sie sich als einer der grauen Zeitdiebe Momo gegenüber als Wesen offenbart, das noch nie geliebt wurde – und prompt die Machenschaften der Grauen Herren ausplaudert, wofür sie wiederum von ihren Kumpanen mit kompletter Auflösung bestraft wird...."

 

"...Der begeisterte Schlussapplaus des Premierenpublikums zeigt: Diese Bilder, ob Täuschung oder echt, gehen uns alle an. Michael Ende hat wieder alte und neue Leser gefunden, und das Nachdenken über die Zeit, ihren Reichtum und ihr Vergehen, geht weiter."

 

Christian Schindler

Die Mark online

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