Der kleine Prinz

nach Antoine de Saint-Exupéry 

Thalia Theater Halle

Premiere: 15.02.2014 | Uraufführung

 

Bühne: Nicolaus-Johannes Heyse

Kostüme: Grit Walther  

mit 

Justus Verdenhalven, Harald Höbinger, Christina Athenstädt

in einer Fassung von Andreas Rehschuh

verlegt beim henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin

 

© N.-J. Heyse, G. Walther

Presse:

 

"Kleiner Prinz" in der Klinik "

 

"Die Altersangabe führt leicht in die Irre ... Was eine kindgerecht-schnucklige Version des Klassikers von Antoine de Saint-Exupéry suggeriert. Und doch ist das, was Andreas Rehschuh aus der Erzählung gezaubert hat, bedeutend mehr. In seiner Textfassung ist dem Leipziger ein ebenso berührender wie schwebend leichter Coup gelungen, der gleichermaßen Kinder ein harmonisches Ende vermuten und Erwachsene schlucken lässt.

 

Dabei scheint das über 70 Jahre alte Märchen angesichts seiner Betulichkeit und schwiemeliger Pädagogik kaum noch fürs Heute geeignet. Parabel irreparabel? Keinesfalls. Die Begegnung zwischen dem notgelandeten Flieger und dem sonderbaren Jungen von einem fernen Planeten, der Erwachsenen-Denkmuster beargwöhnt, hat Rehschuh von der Wüste in eine Klinik verlegt.

 

Krankenhausbetten auf einer Sandlandschaft, als Reminiszenz an die Vorlage. Ein Mann und ein Junge teilen sich als Patienten ein Zimmer, kontrolliert und versorgt von Schwester Rosa (resolut: Christina Athenstädt). Der Flieger findet keine Ruhe vor den Fragen und Geschichten des "Kleinen Prinzen", der ihm die eigenen Welt ausbreitet. In Hoffnung auf Heilung spiegelt er die Begegnungen mit den Eitlen und Pragmatikern, dem Fuchs, dem Trinker. Geschickt finden hier Textpassagen eine neue Ordnung. Der Verzicht auf mittlerweile abgedroschene Spruchweisheiten Exupérys trifft auch die totzitierte Fuchs-Erkenntnis über das Wesentliche, das für die Augen unsichtbar ist. Gut so.

 

Witz, Tempo (Regie ebenfalls Rehschuh) und Buntheit in den Kostümen (Grit Walther) kontrastieren die Tragik, die da dräut. Die wachsende Zahl der Affenbrotbaum-Samen steht als Metapher für sich ausbreitende Metastasen, die Schlange zischt als Bote des Todes, der am Ende den Prinzen zu sich auf den Planeten holt und auch schon den Flieger schwer gezeichnet hat.

 

Ein Zitat wie das von der schwindenden Restzeit bekommt niederdrückende Bedeutung, dennoch frei von Larmoyanz. Erwachsene dechiffrieren das, parallel bleibt Jüngeren der Glaube an einen harmlosen Ausgang erhalten. Eine meisterhaft immer weiter sich öffnende Schere, auch dank des angemessenen Spiels von Justus Verdenhalven als Prinz und von Harald Höbinger als Flieger."

 

Mark Daniel 

Leipziger Volkszeitung

 

Ideen vom richtigen Leben

Thalia-Ensemble  - Eine bezaubernde Version des Klassikers "Der kleine Prinz" wird im Kammerspiel des Neuen Theaters gezeigt

 

"...Versuche, sich dieses bildhaften Stoffs über die verschiedenen Medien von Film bis Theater anzunähern, gab es immer wieder. Nun hat das Thalia-Ensemble eine weitere Variante beigesteuert. Was zu Beginn dieser 75-minütigen Textfassung in der Regie von Andreas Rehschuh befremdlich oder sogar irrig wirkt, erweist sich als gekonnte Möglichkeit, Märchenhaftes zur Realität und Wirklichkeit zur Fiktion werden zu lassen. Symbol dieses Verwischens von Grenzen ist der Sand - Sahara-Sand natürlich - der am Rande der Bühne ausgelegt ist und hineinschwappt in ein altmodisch daherkommendes Krankenhauszimmer. ...

 

Von diesem Zimmer aus erzählt der smarte Flieger (Harald Höbinger) in bestechend einfachen Worten als Rückblende von seiner Begegnung mit dem kleinen Prinzen - und den Veränderungen, die seither mit ihm geschehen sind. ... "

 

"...Weiter und weiter gerät der Flieger in den Sog der fantastischen Erzählungen des offensichtlich todkranken Jungen. Er lässt sich bezaubern und immer bereitwilliger entführen in die so ganz andere Sichtweise aufs Leben, die das Kind vor ihm ausbreitet. Immer wieder bricht die Realität in Gestalt der resoluten Krankenschwester (Christina Athenstädt) herein. Aber auch sie kann sich verwandeln, die Gestalt der geliebten Rose oder des einsamen Königs annehmen, der so gern wenigstens einen Untertan hätte.

 

Am Ende verwischen gar die Figuren des Fliegers und des kleinen Prinzen, wie er den Jungen liebevoll nennt. Ihre Stimmen, ihr Äußeres nähern sich an. Egal ist nun, wer wer ist - Hauptsache, sie sind vereint in dieser Idee von einem anderen Leben, einer anderen Welt die nun genauso möglich erscheint wie die unsrige. Am Ende kehrt der kleine Prinz in seine Heimat, auf seinen Planeten zurück, denn das scheint wahrscheinlicher, als dass er einfach so stirbt. Oder? Der Flieger jedenfalls ist verwandelt, als er das Krankenhaus verlässt - und richtet seine berührenden Schlussworte direkt ans Publikum. Und da wird dann nicht nur ein Taschentuch gezückt."

 

Manuela Schreiber

Mitteldeutsche Zeitung

 

"Der kleine Prinz“ am Thalia: Mit blühender Phantasie in den Tod

 

"Es ist eine wohltuend behutsam erzählte Inszenierung, die Regisseur Andreas Rehschuh dem Premierenpublikum am Samstag bot: 'Der kleine Prinz', nach der gleichnamigen Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry.

Irgendwo in einer Wüste findet sich der notgelandete Flieger in einem Krankenzimmer wieder und lernt dort einen Jungen kennen, den er fortan den kleinen Prinzen nennen wird. Nicht von ungefähr stellt man sich schnell die Frage: ob der Pilot in einem Irrenhaus gelandet ist? ..."

 

"...Wenn da nicht die Glatze des kleinen Prinzen wäre und an seinem Krankenbett nicht auch noch ein Tropf hängen würde.

Doch der kleine Prinz schafft es zunehmend, den Flieger für seine Geschichten zu begeistern und ihn gar mitzunehmen in seinen Erzählungen. Ob es eine erblühende Rose ist, in die sich der kleine Prinz verliebt oder er auf einem anderen Planeten einen König ohne Untertanen kennenlernte ... Es sind immer Reisen zu einer Sehnsucht nach echter Freundschaft.

 

So behutsam die Geschichte(n) des kleinen Prinzen vom Regisseur erzählt werden, so herrlich zielsicher spielen die drei Schauspieler ihre Rollen. Ob Justus Verdenhalven (Prinz), Harald Höbinger (Flieger) oder Christina Athenstädt (Krankenschwester, Rose und König). Wobei Christina Athenstädt auf der Bühne auch noch in Schwesterntracht schillern und als Rose strahlen darf. Während Justus Verdenhalven und Harald Höbinger eine witzige Leichtigkeit in den Zuschauerraum verströmen, halten sie doch immer einen melancholischen Bogen gespannt. Denn Regisseur Rehschuh lässt den kleinen Prinzen an Leukämie (oder einer ähnlich schweren Krankheit) sterben und den Flieger von der Bühne ins Ungewisse abtreten.

 

Am Ende sind beide Hauptfiguren verschwunden, aber die phantasievollen Geschichten des kleinen Prinzen bleiben."

 

Halle Spektrum

© 2020, Andreas Rehschuh